Sanierung der Kirche wird teurer als gedacht

Sanierung der Kirche wird teurer als gedacht

Sanierung der Kirche wird teurer als gedacht

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Sanierung der Kirche wird teurer als gedacht

Während der Bauarbeiten kamen am evangelischen Gotteshaus immer mehr Schäden zum Vorschein

Engers. Ein feiner Riss an einer Innenwand war der Auslöser für eine Sanierung, die deutlich größer ausfiel als erwartet. Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen plante die evangelische Kirchengemeinde Engers zunächst überschaubare Arbeiten an ihrem Kirchengebäude. Doch bei den Untersuchungen und während der Bauarbeiten kamen immer neue Schäden zum Vorschein.

„Wenn wir vorher gewusst hätten, wie aufwendig das tatsächlich wird, wären wir das Projekt möglicherweise gar nicht angegangen. Bei den Untersuchungen und während der Arbeiten zeigten sich immer wieder neue Herausforderungen. Aber inzwischen sind wir zuversichtlich, dass wir alles rechtzeitig fertigstellen können“, erklärt Georg Kohl, der als Presbyter die Sanierung federführend begleitet.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Engers nahezu ausschließlich katholisch geprägt. Mit der Entwicklung zum Bahnknotenpunkt kamen jedoch immer mehr evangelische Menschen in die Stadt. 1902 wurde deshalb auch eine evangelische Kirche errichtet. Heute trägt sie den Namen des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer.

Ausgangspunkt der Sanierung war eben jener Riss an einer Innenwand. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass dieser auf der Außenseite so breit war, dass man eine Hand hineinstecken konnte. Um die Schäden fachgerecht beurteilen zu können, wurde ein Statiker hinzugezogen. Er stellte unter anderem fest, dass der Glockenturm deutlich stärker schwingt als vorgesehen. Deshalb wird seit einiger Zeit nur noch eine kleinere Glocke genutzt. Die Schwingungen wirken sich auch auf das übrige Bauwerk aus, an dem weitere statische Mängel festgestellt wurden.

„Die Bruchsteinmauer wird an den Kanten durch dekorative Sandsteine eingefasst. Diese sind nach oben hin jedoch deutlich schlanker ausgeführt“, erläutert Kohl. „Dadurch wird die Last des Dachstuhls nicht optimal abgefangen, und einzelne Sandsteinblöcke werden nach außen gedrückt.“

Um die Stabilität wiederherzustellen, musste die gesamte Kirche eingerüstet werden. Dabei wurden an mehreren Stellen tiefe Risse entdeckt. Gleich zwei Steinmetzbetriebe arbeiten derzeit daran, verwitterte Steine auszutauschen und das Mauerwerk mit Metallankern zusätzlich zu stabilisieren. Mit erstaunlicher Präzision wurden dabei Bohrungen von rund 15 Metern Länge durch die Außenwände geführt.

Dabei wurde auch zur Kühlung und zum Durchdringen der Wände Wasser eingesetzt – was einen Wasserschaden verursachte. „Im Kirchenschiff war die Luftfeuchtigkeit zeitweise so hoch wie in einer Sauna“, berichtet Kohl. Trocknungsgeräte sorgten für Abhilfe.

Ursprünglich waren die Kosten der Sanierung auf rund 280.000 Euro geschätzt worden. Inzwischen wird mit einer mehr als doppelt so hohen Summe gerechnet. Und selbst damit werden sich nicht alle Schäden beseitigen lassen. So muss etwa auch die Kreuzblume, die das Dach der Kirche zierte, vollständig erneuert werden. Sie drohte herabzufallen.

Auch an den Öffnungen im Glockenstuhl gibt es statische Mängel: Dort wurden beim Bau weniger Querverstrebungen eingebaut, als für eine sichere Konstruktion erforderlich gewesen wären. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Denkmalschützern beschreibt Kohl als sehr konstruktiv.

Die Landeskirche hat die Baumaßnahmen großzügig unterstützt. Dennoch sind die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde Engers nahezu ausgeschöpft. Rücklagen wurden vollständig aufgebraucht. Um auch die noch ausstehenden Arbeiten finanzieren zu können, hofft die Gemeinde weiterhin auf Spenden.

Einige Beiträge sind bereits zusammengekommen – unter anderem von Fotografen, die das Gerüst nutzten, um ungewöhnliche Perspektiven einzufangen. Wer größere Beträge spendet, soll künftig mit einer Plakette im Eingangsbereich der Kirche gewürdigt werden.

Ab Juli sollen in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche wieder Gottesdienste stattfinden. Diese wurden zuletzt in das benachbarte Gemeindehaus verlagert. Informationen zu den Spendenmöglichkeiten finden Interessierte auf der Internetseite der Gemeinde.

Bericht in der Rhein-Zeitung, 30.06.2026, von Rainer Claaßen

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